Po. Bermejo nach Mendoza
Was mich besonders gefreut hat, war das Treffen mit Martin Moder in Santiago, der ebenfalls mit dem Radl hier unterwegs ist und der nun nach Hause fliegt. Martin (auf dem ersten Bild) ist, wie ihr seht, ein sehr kommunikativer Mensch:-) Wir gehen einmal gemeinsam Essen, nutzen den chilenischen Toaster in unserem Hostel mit wachsender Begeisterung und treffen auch noch Zela und Olaf, die ebenfalls radbegeistert sind. Insbesondere Olaf kann mir noch gute Tipps mit auf den Weg geben. Mit Zela ziehe ich dann noch bis zur Sperrstunde durch die lokalen Clubs und komme am Tag meiner Abfahrt erst viel, viel zu spät ins Bett. Poolposition für den Bermejo-Pass sozusagen. Aber klasse wars trotzdem! Santiago ist eine lebendige und sehenswerte Stadt, mir gefiel es hier sehr gut. Wer hierher kommt, sollte unbedingt einmal einen ‘Mote con Huesillos’ probieren oder einen frisch gemixten Saft aus den Früchten des Kaktus, die Tunas genannt werden. Genial, besonders im Sommer. Ein Aufstieg zum Hausberg ist ebenso Pflichtprogramm. Dort war ich mit Martin. Der Sonnenuntergang mit Blick auf die Metropole ist einfach super. In die Ausmaße der Stadt könnte man locker das Rhein-Main-Gebiet hinein stecken.
Aus der Stadt komme ich genauso gut raus wie hinein. Allerdings ist es sehr heiß und der Restallohol macht sich bei den Temperaturen mit Schweißausbrüchen bemerkbar. Eigentlich kann man sagen, dass alles nördlich von Santiago mehr oder weniger ödes Land ist. Sicher, es gibt ein paar Äcker aber nicht so wie südlich der Stadt im Central Valley. Erst jetzt verstehe ich richtig, welche wichtige Rolle dieses fruchtbare Central Valley in Chile einnimmt, wenn sonstwo nichts richtiges gedeiht.
Am Tag als ich Santiago verlasse, fahre ich 80km bis Los Andes. Dort beginnt es dann bergig zu werden. Ich übernachte auf dem Sportplatz. Gerade heute hat das ‘Platzkommando’ das Spielfeld winterfest gemacht und begiesst den arbeitsreichen Tag mit einigen Kisten Bier. Ich komme also genau richtig… Sandwiches gibt es zudem auch noch, sodass ich mich bald sauwohl in den Schlafsack rollen kann. Wenn Los Andes irgendwann mal in der Champions League spielen sollte, so versprach ich, würde ich wieder kommen.
Am Tag Zwei nach Santiago geht es 1.500HM hinauf -bei über 30°C! Selten habe ich so geschwitzt wie hier. Es hilft aber nix, ich will zum Fuß des Hauptanstieges, um hier möglichst früg am Tag darauf rüber zu kommen, wenn es noch nicht so heiß ist. Die alte Eisenbahnstrecke führt auf weiten Strecken parallel zur Straße.
Beim Zeltaufbau habe ich mir die Hälfte der Häringe krumm gekloppt. Abspannen war aber hier wichtig, es gab viel Wind. Darauf weisen sogar Schilder hin, die ich bislang noch nicht gesehen habe.
Dann kommen am Tag 3 die berüchtigten Serpentinen: Über 29 Sitzkehren schraube ich mich 800HM nach oben. Bei Kehre 21 gibt es zum Glück frisches Trinkwasser aus einem Bach. Alles in allem ist der Pass gut und recht einfach zu fahren (feste strampeln muss man überall), besser aber etwas mehr Respekt davor zu haben als zu wenig! Bis Mittag war ich oben und am Tunnel, der auf 3.200m liegt.
Durch den Tunnel werden Radfahrer generell mit einem Pick-Up chauffiert. Zurecht, vor allem wegen der fehlenden Belüftung. Einmal aufgeladen, ist man dann schnell auf der argentinischen Seite. Adios Chile, du fehlst mir bereits jetzt, es war prima hier!
Irgendwie habe ich ich mich schon beim bergauf strampeln auf die Abfahrt gefreut aber wer meine Berichte über Argentinien gelesen hat, der weiß auch, dass ich oft vom Wind geschrieben habe -und genau der pfeift mir nun äußerst heftig von vorne entgegen. Am Tag 2 der Abfahrt muss ich dann auch noch vorübergehend in einem stillgelegten Bahntunnel Schutz vor einem Unwetter suchen, bin von der Abfahrt ziemlich erledigt. Welcome Argentina, I love you!
Dann tröstet mich aber doch ein echtes Schmankerl: Der Blick auf den Aconcagua, den mit 6.962m höchsten Berg Gesamtamerikas.
Außerdem komme ich an der Puente del Inca vorbei, die ebenfalls sehr sehenswert ist.
In der fünften und letzten Nacht bekomme ich tatsächlich einen handfesten Regen ab, aber mein Zelt hält -und meine Frisur auch! Am nächsten Morgen fahre ich aus den Anden raus. Bis hinunter auf ca. 2,500m hat es geschneit. Ein toller Anblick!
Unmittelbar hinter den Anden liegen die ersten Weinberge von Maipu und Mendoza. Ich komme genau rechtzeitig und kann mit einem Bus voller Touris eine Verkostung in Tunuyapi bekommen. Etwas verlegen war ich schon, so verschwitzt und staubig wie ich war. Das war hier jedoch überhaupt kein Problem. Für einen Betreuer gab es hier nämlich zu viele Gäste und weil diese auch an Stories aus dem Rheigau in ‘good old Germany’ und ebenso an meiner Radreise interessiert waren (ich wurde mit meinem Rad öfter fotografiert als der Rest des Weingutes!) bin ich aushilfsweise als Entertainer und Kellner eingesprungen. Hinterher bekam ich vom bestens gelaunten Chef die Visitenkarte, ich könne jederzeit hier einen Job im Marketing bekommen -und das mit kurzen, dreckigen Hosen und ‘nem stinkenden T-Shirt! Das soll mal einer nachmachen:-)
So, endlich ist der Bericht fertig. Gerade noch rechtzeitig vor Ostern. Erst hatte ich keine Zeit, dann keine Lust und zuletzt keine Gelegenheit. Mein Tretlager ist mittlerweile ebenfalls erneuert, ihm hat der Pass zu stark zugesetzt.
Ich wünsche Euch schöne Osterfeiertage, gutes Wetter und was man sonst noch so braucht. Von Mendoza und allem Weiteren schreibe ich demnächst.
Adios,
Holger






April 21st, 2011 at 21:41
Lieber Holger, danke für Deine Ostergrüße, und Deine mir/uns nah gebrachten Eindrücke einer glücklichen Zeit, ich denke oft an Dich. Auf den Bildern von Dir merke ich, wie entspannt Du bist, ist mir so noch nicht aufgefallen. Alles alles Gute weiterhin
Der Lutz
April 23rd, 2011 at 00:58
Geniesse….die Tage….ich freue mich immer von dir zu lesen….
April 25th, 2011 at 20:24
Hallo Holger,
Ostern ist zwar schon fast vorbei, trotzdem wollen wir Dir noch liebe Grüße schicken.Wir freuen uns immer was Neues von Dir zu lesen um Robert, Klaus,Lilette und allen Anderen von Deiner Reise zu berichten.Deine Weinerlebnisse haben uns alle sehr amüsiert wie Du Dir denken kannst.Wenn Du wieder zu Hause bist, laden wir Dich zu einer Weinprobe mit chilenischen Weinen ( Lapostolle) ein.
Liebe Grüße
Salut et a bientot
Sabine et Joel
April 28th, 2011 at 16:28
Hallo Holger,
schön von dir zu lesen. Tolle Bilder wie fast immer hast du ja auch wieder mitgeliefert. Da ich noch nie in Südamerika war, finde ich deine Berichte auch sehr aufschlussreich. Ich hoffe deine Zeitplanung passt immer noch zu deiner Routenplanung! Du hast ja noch ein ganzes Stück gen Nord, wenn du tatsächlich bis an den See willst.
Bin schon mal auf deinen nächsten Bericht gespannt, gute Reise weiterhin!
Jochen