Ein Land, so weit!

Mendoza
Mich von Mendoza zu verabschieden, von dieser lebendigen und grünen Stadt, viel mir schwer. Ebenso wie Santiago, ist dies endlich einmal keine Touristenstadt, wie die meisten Städte weiter im Süden. Allen voran El Calafate, San Carlos de Bariloche, Pucon, Villarica, El Chalten und wie die künstlichen Touristenzentren sonst alle heißen. Ohne Touris, die überteuerte Schokolade und nicht zu gebrauchenden Krimskrams kaufen (das was man braucht bekommt man nicht), geht das Licht dort aus. Hier ist das anders. Ich treffe auch Stewart aus Australien wieder, mit dem ich in Ushuaia im Dezember gewandert bin. Wir starten mit Suzanne und  Arnust aus Tschechien eine Tagestour per Rad in die Weinbaugebiete um Maipu. Einen Picknickkorb mit allem was man bei einer längeren Weinprobe so braucht haben wir dabei. Wein gibt’s hier gegen einen kleinen Obolus überall. Sehr gut, auch wenn wir längst nicht so weit kommen wie geplant… Wie ihr seht, geht der Weinkonsum stark zurück. Wo soll das noch enden. Dagegen muss man etwas tun -wie ich finde!

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Als ich aus der Stadt rausfahre, kaufe ich noch einige Postkarten. Da werde ich von einem Kamerateam angesprochen, das sich für mein abgestelltes und vollbepacktes Rad interessiert. In meinem sehr speziellen Spanglisch, meiner eigenen Mischung aus Spanisch und Englisch, gebe ich ein witziges Interview, woher ich komme, wie es mir hier gefällt, wohin ich will, usw. Dass ich es damit bis in die nationalen Abendnachrichten gebracht habe, erfahre ich erst einige Tage später, als mich eine Familie in der Nähe von San Juan wieder erkennt. Die waren ganz aus dem Häuschen, schütteln mir die Hände und klopften mir mit allen anderen Leuten rundherum auf die Schulter. Eine coole Sache, nur schade dass ich mich selbst nicht im TV sehen konnte.

Weites Land

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Dann beginnt die lange ‚Argentinische Etappe‘ nach Salta. Über 1.300km entlang der Anden und über weite Strecken durch heiße, trockene Pampa. Erst vor Salta nimmt die Landschaft freundlichere Züge an. Bei der Tourenplanung hatte ich zuerst überlegt, hier ein Stück mit dem Bus abzukürzen. Gut das ich das nicht gemacht habe. Pampa ist nämlich nicht gleich Pampa, auch hier gibt es viele kleine aber tolle Unterschiede. Vor allem glaube ich, Argentinien und seine Leute erst hier richtig kennen gelernt zu haben. Wie bereits erwähnt, in den Tourizentren sehen die Einheimischen die Touristen jeden Tag. Überall soll man das Portemonnaie ziehen um überteuerte Preise zu zahlen. Auf dem Weg nach Salta mache ich ganz andere Erfahrungen. Hier bekommt man nicht an jeder Ecke alles was man sich wünscht (oder nicht braucht). Meist gibt es nur kleine Tante Emma-Läden, in denen man gerade die Hälfte dessen erhält was man benötigt. So kann ein Einkauf schon mal eine Weile dauern. Banken gibt es auch nicht an jeder Ecke, bzw. in jedem Ort, geschweige denn Strom und fließendes Wasser. Von was viele der Leute hier auf dem Land leben, wie sie überhaupt existieren können, ist mir ein echtes Rätsel. In Chile gibt es immerhin einen Mindestlohn von sage und schreibe 250 Euro im Monat. Den gibt es hier nicht. Generell würde ich sagen, dass der Lebensstandard in Chile deutlich höher liegt als in Argentinien, auch wenn es dort ebenfalls viele Tagelöhner gibt. In welchen armseligen Hütten viele Argentinier hier jedoch hausen, das hätte ich nicht für möglich gehalten. Heruntergekommene Lehmhütten, die kein Deut besser sind als die in Zentralasien oder im Westen Chinas. Und genau hier, in den ärmeren Gegenden des Landes, fernab des Tourismus, treffe ich gastfreundliche, hilfsbereite und offenherzige Menschen. Diese Begegnungen waren das ‚Salz in der Suppe‘ meiner Reise nach China und ohne es bislang konkret benannt haben zu können, genau das fehlte mir sehr oft weiter südlich. Und da ist noch ein wesentlicher Unterschied zum Süden: Hier winken einem die Kinder zurück, kommen neugierig auf einen zu -so wie in Zentralasien.

Die Etappe von Mendoza nach Salta war lang und es gibt viel ‚aus der Pampa‘, von Bergen und tollen Menschen zu erzählen. Ich schreibe hier nur einige Highlights auf.

Valle Fertil
Nördlich von San Juan weiche ich rechts von der Ruta 40 in Richtung La Rioja ab. Ich will in die NP’s Ischigualasto und Talampaya. Dazu muss ich durch das schier endlos weite und heiße Valle Fertil fahren. Die Gegend bis zu den NP’s ist karg und eintönig, die Distanzen zwischen den Ortschaften weit. Der Umweg hat sich jedoch gelohnt! Plötzlich taucht aus dem Nichts heraus ein Radweg auf. Er endet im Wallfahrtsort Vallecito, wo die Difunta Correa einst verdurstete. Auf dem weiteren Weg werfen mir die Fahrer von LKW’s Wasserflaschen und Grapefruit aus dem Fenster der vorbeifahrenden Fahrzeuge zu. Etwas ungewöhnlich aber klasse und erfrischend. Hier war ich enorm dankbar dafür!

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NP Ischigualasto (Vallee de la Luna)
Das Highlight hier ist das Valle de la Luna. Ein bizarres Tal aus Kratern, Canyons und fantastischen Gesteinsformationen. Ich habe Glück, mache die letzte Tour mit nur wenigen Leuten im besten Licht.

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Da ich hier campiere, werde ich im außerdem von den Rangern zu einer Nachtwanderung bei Vollmond eingeladen. Ein Wahnsinns Erlebnis! In den kommenden Ostertagen werden hier mehrere Tausend Besucher erwartet…

NP Talampaya
Im NP Talampaya ist etwas mehr Trubel als im Valle de la Luna. Ganze Busladungen Touris werden hier abgefertigt. Das Wichtigste scheint das Essen zu sein -oder warum haut man sich sonst bei 40°C ein Schnitzel mit Kartoffelsalat in den Bauch? Bei der letzten Tour sind alle Besucher wieder verschwunden und ich starte mit drei anderen zu einer perfekten Rundfahrt durch den Sandsteincanyon.

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Nun folgt eine kurvenreiche Fahrt durchs backofenheiße Sandsteingebirge, mit einem Anstieg auf 2.020m. Die üble Schotterpiste ist eine weitere gute Übung für Bolivien und Peru. Dann geht es weit bis Chilecito bergab.

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Der schwarze Karfreitag
Am schwarzen Karfreitag läuft zunächst alles schief. In Chilecito, der einzigen größeren Stadt durch die ich in mehreren Tagen fahre und wo ich dringend meine Lebensmittel aufstocken muss, haben die größeren Läden alle geschlossen. So ein Mist, nach fast 5 Monaten gehen mir hier nun die Haferflocken aus. Nicht der Käse, nicht das Brot, nein, die Haferflocken. Das wichtigste Lebensmittel auf einer Radtour -wenn man mich fragt. Ob Haferflocken zum Frühstück, mit Milch und Kakao oder mit Rosinen und Zucker als Haferbrei -damit gelingt immer ein guter Start. Außerdem kann man auf Haferflocken in Notfällen oder bei schnellem Energiebedarf immer gut zurück greifen. Das für die Milch notwendige Milchpulver gibt es überall (davon ernährt sich ganz Südamerika im Kollektiv) und noch eins: Haferflocken schmelzen einem auch bei 40°C nicht weg, wie Butter, Wurst oder Käse. Und an die 40°C-Grenze kommt das Thermometer um die Mittagszeit hier oft. Nun ja, ich habe es überleben können, gerade so.
Dann steigt das Thermometer mittags wieder auf über 40°C. Aus Chilecito heraus zur nächsten Ortschaft sind es etwa 70km. Kein Baum, kein Schatten, dafür Gegenwind und 400HM bergauf.

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Man könnte meinen durch die Savanne zu fahren, rundherum entweder nichts oder verdorrte Büsche mit dicken Dornen, umsäumt von weiten Bergketten. Wasser habe ich zum Glück ausreichend dabei, seit San Juan schleppe ich stets 5 Liter (5 Extrakilo!) mit mir herum. Irgendwann stoppt ein PickUp. Ein netter Mann fragt mich ob ich OK wäre. Eine sehr nette Geste und bei der Witterung eine berechtigte Frage. Seine Frau Maria spricht deutsch und nach einem netten quatsch verabschieden wir uns sehr herzlich. Die Frage ob ich denn Mitfahren wollte lehne ich ab -am Ostersonntag will ich die 5.000km Marke knacken.

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Etwa eine Stunde später fahre ich an einem Autowrack vorbei. Es ist der PickUp von Maria und ihrem Mann. Die 2 Leute hinten und den Fahrer hat man bereits geborgen, Maria wird gerade rausgeholt. Als die Polizei bemerkt, dass ich die Insassen scheinbar kenne, soll ich bleiben. Die Hitze, die Anstrengung, der Stress und die Situation: Ich muss kotzen. Das gefällt den Sanis überhaupt nicht und die wollen mich nun ebenfalls abtransportieren. Da ich nicht will, entscheidet die Polizei: „Ab ins Krankenhaus“. Mann, das hat mir gerade noch gefehlt. Also werden mein Rad und mein Gepäck zusammen mit mir in den Krankenwagen geladen. „Wohin soll es gehen“, frage ich. Antwort: „Nach Chilecito“. Da hättet ihr mich aber mal springen sehen können. Ruckzuck war ich aus dem Wagen wieder draußen. Ich fahre doch diese Mörderstrecke nicht noch einmal. Ich trinke vor den Augen der Beamten eine Salzbrühe, eine Flasche Cola, esse 3 Bananen. Dann darf ich doch weiter radeln. Irgendwie stimmt aber was nicht, ich schwimme etwas hin und her. Ein Platten, auch das noch. Vorne und Hinten!!! Ich war für das Verladen in den Krankenwagen auf den Standstreifen gefahren und habe mir gleich mehrere dieser fiesen Dornen in die Reifen gefahren.

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Herrjesses! 2 Flicken hinten, 2 vorne. Dass ich jedoch vorne 3 Löcher habe bemerke ich erst 10km später, wo ich nochmal das Rad ausbauen muss. Von der Salzbrühe und dem ganzen Mist ist mir mittlerweile richtig übel. Gerade als ich fertig bin mit dem erneuten Aufpumpen, platzt auch noch der der Schlauch. Was muss man noch alles ertragen als Radtorero? Aber auch der Schlauch ist irgendwann gewechselt und die Pechsträhne vorbei. Abends erreiche ich tatsächlich noch San Blas, wo ich mein Zelt auf dem Kirchplatz aufbauen kann. In der Türkei hatte ich oft neben Moscheen gezeltet, warum also nun nicht neben einer Kirche? Außerdem gibt es hier sanitäre Einrichtungen samt Dusche -also nach so einem Tag habe ich das wirklich verdient! Wegen des Karfreitags kommen viele Pilger vorbei und mein bereits ausgepackter Kocher bleibt letztlich unbenutzt. Ich bekomme Pizza, Kuchen, Sandwiches und leckere, in Maisblätter eingepackte Polenta. Eine lokale Spezialität, die es nur an Ostern gibt. Dem Himmel sei Dank, denn der Küster kommt irgendwann auch noch vorbei und schenkt mir vorm ins Bett gehen einen Schnaps ein. Fast könnte man meinen, die vielen Leute sind wegen mir hierhergekommen…
Maria und die anderen 3 Insassen sind zum Glück nur leicht verletzt. Der schwarze Karfreitag nahm also ein versöhnliches Ende. Aber nochmal brauche ich den nicht!

Unterwegs mit Jan Ulrich
Am Ostersamstag treffe ich Jan aus München. Der erste Radler, der mir seit etwa 2.000km begegnet.

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Wir können hier beide etwas Motivation gebrauchen. Ich jedenfalls bin nach fast 2 Monaten Solotour ziemlich froh über Gesellschaft. Beide wollen wir über Chile nach Bolivien fahren und werden nun ein Stück gemeinsam radeln. Eine Solotour ist zweifelsohne eine gute Sache aber zu Zweit unterwegs zu sein hat auch Vorteile und neben dem Radeln werden einem die mittlerweile sehr langen Abende nicht zu lang. Wir hatten uns bislang jedenfalls viel zu erzählen und eine Menge Spaß. Jan will versuchen bis Mitte August Ecuador zu erreichen -sicher ein optimistisches Vorhaben, aber machbar, wenn es weiterhin so gut läuft.

Einen unserer ersten Lunchstops machen wir nördlich von Hualfin, auf einer 2.200m hoch gelegenen Hochebene. Dort gibt es einen kleinen privaten Flughafen einer Minengesellschaft. Erst wollen wir nur schauen aber die Tür zum Terminal steht offen und wir sind die Einzigen hier. Drinnen gibt es heißes Wasser, Toiletten, Waschbecken und Komfort. Also machen wir es uns hier für die Mittagspause gemütlich. Das geht so lange gut, bis der Wachmann im Tower wach wird und uns sieht. Als er uns mit unseren vielen Taschen und Tüten beim Mittagessen sieht, kann er nicht anders und muss lachen. Dass wir nach einem Foto aber trotzdem gehen müssen ist nicht so wild, wir haben ja bereits gegessen und hätten ohne ihn bestimmt noch viel zu lange auf den Sofa’s gesessen.

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2 Oberpfälzer auf Lebensreise
Bei Ria & Georg stoppen wir mehr oder weniger zufällig, als wir ihr geparktes Wohnmobil mit dem deutschen Nummernschild sehen. Sofort nach der Begrüßung sind wir im Gespräch und dürfen Ria’s köstlichen (sauguten) Königskuchen bei einer Tasse echten Kaffee’s genießen. 3 1/2 Stunden verplappern wir uns, beide sind wir von ihrer Reise, die 1989 begann, sehr beeindruckt.

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Natürlich machen die beiden mit dem Wohnmobil andere Erfahrungen als wir mit den Rädern, doch festgelegt auf ihren Camper-Van sind die beiden nicht. Diesen Winter werden sie als Zeltplatzwarte in ihrer Lieblingsprovinz Arizona in den USA tätig sein. 2 coole Typen! Wegen der Kaffeepause erreichen wir die Siedlung Alemania erst in völliger Dunkelheit. Wenigstens müssen wir die Zelte nicht mehr aufschlagen, wir pennen am stillgelegten Bahnhof unter freiem Himmel.

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Im Norden Argentiniens ist es am schönsten
Etwa 300km vor Salta ändert sich die Landschaft ein weiteres Mal. Aus dürrer Pampa wird eine grüne, saftige Landschaft. Hier zu radeln ist Genuss pur -nur der teils sehr starke Gegenwind kann unsere Begeisterung etwas ausbremsen. Auch ist es nicht mehr so heiß (etwa 25°C) und es gibt öfter Orte, in denen man Wasser bekommen kann. Hier ist also keine logistische Vorausplanung für Wasser und Lebensmittel nötig. Die Gegend um Salta ist um diese Jahreszeit ein Traum! Ach ja, guter Wein wächst hier noch auf 2.000 m.

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Die tägliche Suche nach der besten Übernachtungsmöglichkeit -immer ein Spaß!
Am liebsten schlafe ich im Zelt, dort habe ich meine Ruhe, es gibt kein Ungeziefer und die Auswahl des Übernachtungsplatzes birgt immer interessante Überraschungen -ein kleines Abenteuer als Betthupferl sozusagen. An Kirchen & Moscheen, Krankenhäusern, Bibliotheken, in Polizeistationen, Kinderspielplätzen, Schulen, Tankstellen, Sportheimen, Bushaltestellen, Bahnhöfen, entlang von Straße und Flüssen, Mitten im Nirgendwo, in den Bergen, mal mit und ohne Wasser oder auf Einladung von privat (oder im Hilton) -egal wo, eigentlich sind diese Plätze immer besser als Hostels oder Pensionen. Fast immer gelingt ein gutes Gespräch mit Einheimischen. im Norden Argentiniens, wo die Leute alle so freundlich und offen sind, macht die meist recht kurze Suche nach einem ‚besten‘ Übernachtungsplatz wieder richtig Spaß. Solange es wenigstens fließendes Wasser gibt ist alles prima. Wildes campieren ist zwar auch möglich aber aus Mangel an Wasser nicht immer einfach. Die Gegend wird immer trockener. Mir fehlen nun noch eine Feuerwehrstation und eine Brauerei in meiner Übernachtungsliste aber sicher klappt das auch noch…

In San Jose Norte, 3 Tagesfahrten vor Salta, campen wir übrigens bei der Grundschule No. 290 (in Argetinien sind die Schulen nummeriert) Wir fragen die Rektorin, die uns zunächst zum Pfarrer schickt. Da der am Ostermontag Urlaub macht (tststs, Sitten sind das!!!), dürfen wir hier übernachten und die sanitären Einrichtungen nutzen. Morgens um 8 Uhr wird dann die argentinische Fahne von zwei Schulkindern hochgezogen, der Rest der Schüler steht andächtig Spalier. Sehr feierlich das Ganze. Jan und ich sind mit unseren Rädern und den Zelten für die Kid’s aber nocheinmal so spannend und die Helden schlechthin. Wir werden regelrecht belagert, müssen sogar in Poesiealben schreiben und Autogramme geben. Ein Schüler, der kleine Manuel, muss in der Bibliothek ein paar Rechenaufgaben zusätzlich machen. Als er fertig ist kommt er natürlich zu uns hinzu, als wir gerade frühstücken. Ich schreibe ihm noch ein paar Aufgaben ins Heft und versuche zu helfen. Der kleine Kerl rechnet mit voller Motivation und zählt sich die noch kleineren Finger wund. Leider ohne auf’s richtige Ergebnis zu kommen. Schritt für Schritt kommen wir diesem aber gemeinsam näher. Hier hätte ich noch ein paar Tage verbringen können -es war einfach zu schön! Ich habe Manuel zum Abschied erklärt, dass wenn er groß ist, er auch größere Finger hat und das mit denen das Große Einmaleins dann viel einfacher wird. Ihr hättet sehen sollen wie der gestrahlt hat!

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Eines noch: Die Lehrer hier verzichten auf einen Teil ihres Gehaltes, damit der Schulbetrieb fortgesetzt werden kann. Von meinem Spendenprojekt bin ich mittlerweile überzeugter denn je… Hier muss man einfach helfen!

So geht’s weiter
Von Salta aus könnte man prima direkt nach Norden und Bolivien weiter fahren. Könnte man, muss man aber nicht. Warum es sich auch einfach machen wenn es eine schwierigere Alternative gibt (die allerdings auch wesentlich interessanter erscheint…) Also, gemeinsam mit Jan werde ich ein letztes Mal nach Chile einreisen und noch einmal die Anden überqueren. Über den Paso Jama (der höchste von 6 Pässen hat 4.833m) wollen wir in den Norden Chiles fahren, nach San Pedro de Atacama in der Atacama-Wüste. Die Atacama-Wüste macht den Besuch in Chile erst rund und von den Anden kann ich wohl eh nie genug bekommen. Erst von dort wollen wir, ebenfalls gemeinsam, nach Bolivien weiter. Ich halte euch auf dem Laufenden. Jan schreibt übrigens ebenfalls ein Online- Tagebuch, welches ihr hier nachlesen könnt. Wir wollen am 01. Mai aus Salta starten, haben noch eine Menge zu tun. Für die 560km bis San Pedro de Atacama benötigen wir etwa 10 Tage.

Da ich auch dieses Jahr keine Ostereier verstecken konnte, habe ich stattdessen ein paar Reschdschreipfehler eingebaut. Wer sie findet, darf sie ohne Kommentar behalten:-)

Liebe Grüße an alle Leser,
Holger

Tachostand: 5.397km

Nächstes Etappenziel: San Pedro de Atacama

7 Responses to “Ein Land, so weit!”

  1. Stephan Says:

    Hi Holger, wollte Dir nur mitteilen, das mein Neffe in Antofagasta lebt. Der spricht zwar nur spanisch,englisch und französisch könnte aber im Notfall auch ein Anlaufpunkt sein. Super das Ihr zu zweit fahrt und das es trotz der technischen Pannen immer wieder gut weiter geht. Deine Berichte zu lesen ist immer wieder ein super Moment. Also pass weiter gut auf Dich auf und viel Spaß in den heißen Quellen der Wüste.
    Lieben Gruß auch von Véro
    Stephan

  2. Jochen Cramer Says:

    Hallo Holger,

    das war jetzt aber wieder ein langer und toller Bericht. Nur Stephan hat ihne eher gelesen als ich….
    Aber gut. Ich freue mich sehr, dass es die immer noch so gut gefällt in der Hitze dort über Berg und Tal zu fahren. Eine Horrorvorstellung für mich! Aber du hast ja richtig Freude dran gefunden! Gut das ihr jetzt wieder zu zweit fahrt, da kommt das Gesellige dann ja auch nicht zu kurz ud der Wein schmeckt mit Gleichgesinnten auch noch mal besser, oder?
    Auf den Atacamabericht bin ich mal sehr gespannt!
    Gute Fahrt weiterhin!! Jochen

  3. Sascha Says:

    Wiedermal ein sehr schöner Bericht. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag :)
    Sascha

  4. Astrid Müller-Cramer Says:

    Hallo Holger,

    habe mich mit großer Neugier durch deine tollen Berichte gelesen und jedes Foto groß geladen - wundervoll - ich beneide dich! Darauf wirst du ein Leben lang geistert zurück schauen. Wobei ich eh vermute, dass die nach kurzer Zeit daheim, eh wieder das Reisefieber erwischt und du zu neuen Lebensträumen radelst.

    Pass auf dich auf, ich freue mich, wnn wir uns bald mal wieder life sehen. Alles Liebe für dich, es grüßen dich aus der ferne Astrid und wuff Wilmchen

  5. Herbert & Karin Says:

    Hallo Holger,

    auch von uns die besten Glückwünsche zu deinem Geburtstag. Wir lesen weiterhin mit Interesse deine Berichte und sind über deine Bilder begeistert,
    aber auch erstaunt über deine Leistungen.
    Mache weiter so, das heißt passe weiter auf dich und dein Fahrrad auf. Behalte deine Gesundheit im Auge, dass du wohlbehalten wieder zurückkommst.

    Liebe Grüße von Herbert und Karin.

  6. Christof Says:

    Danke für den Bericht! Schön, dass Du mal wieder mit einem Mitfahrer unterwegs bist… Lass es Dir gut gehen auf den letzten Wochen “on the road”! Christof

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