Buenos Aires & Ende
Mittwoch, August 3rd, 2011Mit dem Bus von Lima nach Buenos Aires
Da habe ich mir nicht irgendeine, sondern gleich die längste Busverbindung überhaupt ausgesucht. In 70 Stunden soll es über San Pedro de Atacama (Chile) und den Paso Jama nach Salta in Nordargentinien gehen. Von dort wollen wir in weiteren 24 Stunden B.A. erreichen -soweit der Plan. Den Paso Jama, mit seinen zwei 4.800er Pässen, konnte ich im Mai noch radeln. Nun ist er wegen Schnee und Eis gesperrt. Daher müssen wir über den Paso Bermejo, der zwischen Santiago und Mendoza liegt. Ein gehöriger Umweg, wegen dem die Fahrt dann insgesamt 10 Stunden länger dauert. Aber alles halb so schlimm -der Bus und die Sitze waren viel besser als erwartet und ich hatte den besten Sitzplatz beim Eingang, von dem aus ich die Beine weit ausstrecken konnte. Landschaftlich gab es unterwegs allerdings nicht so viel Spannendes zu sehen. Von Lima aus entlang der Panamericana bis kurz vor Santiago de Chile war außer Wüste -die irgendwann ziemlich eintönig wird- nicht viel zu sehen.
Den Paso Bermejo mitten im Winter zu überqueren war eine gute Abwechslung bevor es dann durch die weite argentinische Pampa Richtung Atlantik ging.
Buenos Aires ist nach Lima ein echtes Highlight und die letzten drei Tage gingen schnell vorbei. Obwohl es Winter ist, konnte man hier gut im T-Shirt unterwegs sein und was am wichtigsten war: hier schien die Sonne. Blauen Himmel hatte ich seit fast 4 Wochen nicht mehr gesehen. Nichts motiviert mehr als schönes Wetter und ein gutes Essen! Im Hostel teile ich mir ein Zimmer mit 2 weiteren Leuten. Es gibt endlich einmal keinen Reis, keine Bohnen, keine Suppe und kein Hühnchen. Davon habe ich nach gut 2 Monaten Bolivien und Peru wirklich genug. Stattdessen ist Fleisch in großen Portionen angesagt und dazu ein argentinischer Malbec -einfach gigantisch gut!
Nein, heute Abend habe ich keine Gäste! ![]()
Meine beiden Zimmergenossen starten gerade ihre Südamerikatour. Leider hat einer gleich am ersten Tag ziemliches Pech. Er holt Geld am Bankautomaten, der 4 falsche 100 Peso Scheine ausspuckt. Natürlich merkt er von dem Betrug erst im Taxi. Eine Reklamation war dann leider nicht mehr möglich. Ob er die täuschend echt wirkenden Scheine noch los geworden ist weiß ich nicht. Wenn noch nicht einmal die Bank in der Lage ist Blüten aus dem Verkehr zu ziehen -oder wer weiß, vielleicht wollten die gar nicht- dann ist das schon eine schwache Vorstellung. Ich kam zum Glück ohne Panne zum Flughafen. Als ich am Lufthansa Schalter dann endlich mein Rad und Gepäck eingecheckt hatte und mit der Bordkarte für die Business-Class die Kontrollen hinter mir lassen konnte, war ich irgendwie erleichtert.
Der Heimflug war klasse, genauso wie der Empfang zu Hause. Mein Bruder Axel hat mich vom Flughafen abgeholt und bereits eine Stunde nach der Landung waren wir Zuhause, wo der Rest der Family schon wartete. Ein schönes nach Hause kommen!
16 Monate, 20 Länder, 21.800km & das Ende meiner Reise
Ein paar Tage bin ich nun bereits Zuhause. Ohne Zweifel, ich genieße es gerade sehr hier zu sein. Ich freue mich Freunde und Bekannte wieder zu sehen und auch darüber einmal angekommen zu sein. Vor allem genieße ich es ein eigenes Zimmer zu haben. Es ist ‚nur‘ mein altes ‚Kinder‘zimmer bei den Eltern, meine Wohnung in Düsseldorf habe ich vor der Reise aufgegeben. Trotzdem, ein eigener Platz zum wohl fühlen. Für die nächste Zeit werde ich erst einmal hier wohnen. Klar, ich habe bereits neue Pläne und bin natürlich darauf gespannt, wo es mich künftig hin verschlagen wird. Bis ich wieder in der Medizintechnik und einem geregelten Job angekommen bin, will ich das Beste aus der freien Zeit machen und habe mich zeitweise als Reiseleiter engagieren lassen.
Vielleicht wird mir irgendwann einmal etwas fehlen, wenn ich an die Reise und die vielen schönen Begegnungen und Erlebnisse zurück denke. Vielleicht werde ich dann auch einfach nur froh sein, eine solche Reise unternommen zu haben. Keine Frage, ich wusste bereits unterwegs, dass die Entscheidung zur Reise eine gute, eine sehr gute Entscheidung war. Mit dieser Reise habe ich mir schließlich einen Traum erfüllt und ein großes Stück Freiheit genommen. Intensiver als auf einer Reise kann man wohl kaum leben! Wo es am schönsten war oder was mir am besten gefallen hat kann ich nicht sagen. Ich möchte weder den ersten noch den zweiten Teil meiner Reise missen. Wenn ich jetzt meine Reiseberichte lese und die vielen Bilder anschaue, fällt mir als erstes ein, dass es überall tolle Erlebnisse gab! Sicherlich ist der 1.Teil der Reise nach China mit dem 2.Teil in Südamerika nicht zu vergleichen. Wenn ich an den ersten Teil und z.B. die Türkei und Zentralasien zurück denke, da fallen mir sofort die vielen unglaublich netten und hilfsbereiten Menschen ein. Blicke ich auf Südamerika zurück, denke ich zuerst an die fantastischen Landschaften. Dabei konnte ich auf beiden Wegen beides kennen lernen. Ich meine trotzdem, dass sich die beiden Abschnitte dieser Reise so am treffendsten unterscheiden lassen.
Wer diesen Blog von Beginn an liest, kann einen guten Eindruck meiner Reise gewinnen und meine Begeisterung hierfür vielleicht nachvollziehen.
1.Teil - ‚Von Deutschland nach China‘
2.Teil - ‚Zum Kap Hoorn & in die Anden‘
Vor meiner Tour haben mich gleich mehrere Radler für diese längere Radtour inspiriert. Diese Begeisterung konnte ich an andere weiter gegeben, die ich unterwegs getroffen habe (Thorsten, Andreas, wir treffen uns demnächst!) Vielleicht ist in dem einen oder anderen sogar durch meinen Blog die Lust an einer Reise mit dem Rad geweckt worden. Ob eine lange oder kurze Tour, ob mit Rad oder ohne. Dieses Zitat von Wilhelm Busch ist am Ende meines letzten Berichtes gut platziert:
Viel zu spät begreifen viele
die versäumten Lebensziele:
Freude, Schönheit, Natur,
Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum Mensch, sei zeitig weise!
Höchste Zeit ist’s! Reise, reise, reise!
W. Busch
Ich danke allen, die mich vor, während oder nach meiner Tour unterstützt oder motiviert haben. Ich habe unterwegs tausend Mal mehr erhalten als ich geben konnte! Danke auch für die vielen Kommentare, Grüße und Nachrichten während meiner Reise. Damit ging es oft etwas leichter vorwärts! Außerdem vielen Dank für die Unterstützung meines Spendenprojektes. Bislang sind hierdurch über 2.000 Euro zusammen gekommen. Mit eurer Hilfe können die Kinder in Igacy jetzt und auch künftig unterstützt werden!
Ich wünsche allen unterwegs eine gute Tour & viele schöne Erlebnisse!
Holger Venino
Flörsheim-Wicker, im August 2011



