Kanada & Alaska 2009
Im Sommer 2009 flog ich in den hohen Norden Amerikas. Während meiner knapp 5-wöchigen Radtour fuhr ich von Whitehorse im Yukon nach Anchorage in Alaska. Das Straßennetz hier ist zwar nicht sehr dicht, lässt aber einige sehr lohnenswerte Abstecher und Umwege zu. Man sollte also genug Zeit mitbringen. Vor allem hat es hier eines: Natur pur! Coole Biker trifft man übrigens auch in Alaska: z.B. mein Kumpel Ryan.
Der Haines Highway, zu Beginn der eigentlichen Tour, war landschaftlich ein echtes Highlight. Es ist sinnvoll, ihn von Nord nach Süd zu befahren, da die Straße in Richtung Haines zum Meer hin abfällt und ein sehr langes und teils starkes Gefälle aufweist. Es geht aber auch umgekehrt. Ich startete im Süden… und habe hier öfter mal schieben müssen.
Auf die Anwesenheit von Bären kann man sich im Norden eigentlich immer verlassen, da braucht es keine besonderen Schilder. Besser hätte man in den bärenfreien Gebieten Hinweisschilder aufgestellt und sich so viel Arbeit erspart. Solange man mit einem Camper-Van unterwegs ist, sind die Kerle ja noch recht drollig, im Zelt dagegen schläft man meist nicht wirklich ruhig. Sinnvoll ist es jedenfalls, alle Lebensmittel mit einem Seil auf einen entfernten Baum hochzuziehen. Überhaupt, so einen harten Boden hatte ich bis dahin noch nie erlebt *grrr
Mal so, mal so, aber meistens ziemlich geschwitzt vom vielen bergauf…
Ab und zu gab es einen unfreiwilligen Lift wegen größerer Baustellen, dafür bekam ich dann auch einen Kaffee spendiert. Ohne die netten Bauarbeiter hätte ich den Abzweig zum alten Alaskahighway sicher verpasst. Der Alcan ist zeitweise recht stark befahren. Auf dem alten Teilstück war es da viel ruhiger, bis ich Axel traf, einen Reiseradler aus Argentinien. Der hatte noch einen ordentlichen Weg vor sich, er wollte mit dem Rad nach Hause fahren…
Mit der Alaskarailroad kann man prima einige Teilstrecken überbrücken. Ohne eine gelegentliche Zugfahrt sind 4 Wochen für dieses Land einfach zu wenig -gerade wenn man per Rad unterwegs ist. Außerdem bietet so eine Zugfahrt eine gute Abwechslung und die wenigen Strecken sind oft landschaftlich reizvoller als die der Straße. Wegstrecke zum Radeln ist in jedem Fall noch immer genug vorhanden.
Ein weiteres Highlight war die Überfahrt über den Prince William Sound: Whittier - Cordova - Valdez. Ich hatte sehr großes Glück und auch hier wieder fantastisches Wetter. Solches Traumwetter gibt es am Golf von Alaska leider nur äußerst selten. Meist hängen hier die Wolken tief und es ist regnerisch. Dann kann man sich die Fahrt -der Aussicht wegen- im Prinzip auch gleich sparen.
Von Cordova fährt man dann eine 80km lange Einbahnstrasse, bestehend aus üblem Schotter, um zur Million Dollar Bridge, dem Copper River Delta und der Abbruchkante des Childs Glaciers zu gelangen. Leute, das muß man gesehen haben! Dieser Abstecher lohnt allemal!
Die Stadt Homer liegt wunderschön am Ende der ebenso schönen Kenai Halbinsel. Da der Sterling Highway recht schmal ist und es dort extrem viel Verkehr gibt, würde ich mit dem Rad allerdings nicht mehr dorthin fahren wollen. Ansonsten lohnt ein Abstecher dorthin schon. Die grandiose Küste hat bei schönem Wetter übrigens einige Vorteile, vor allem gibt es dort nicht so extrem viele Mücken wie mancherorts im Landesinneren. In solchen Mengen können diese Biester einen schier zur Verzweiflung bringen. Hier hilft nur noch ein gutes, nicht anliegendes Mückennetz über dem Kopf, die Chemiekeule DEET und vor allem eins: gute Nerven!
Wenn man dann mal meint, es geht nichts mehr, hilft eine gescheite Mahlzeit weiter! Im Juli ist in Alaska Lachssaison und das muß man einfach ausnutzen. In meiner Pfanne liegt ein ordentliches Stück frischgefangener Sockeye-Salmon aus dem Copper River -besser geht es nicht! Frühstück ist natürlich auch immer gut und wichtig:-)
Von Valdez aus ging es über den Thompson Pass Richtung Norden und dann weiter über den Denali Highway zum Denali Park. Dieser Highway besteht nur aus grobem Schotter, führt aber über 180km entlang der Alaska Range Mountains durch herrlichste Natur. Irgendwo entlang der Straße fand ich dann auch meinen bislang schönsten Lagerplatz. Ich hatte keine Ahnung wie weit es bis irgendwohin war, geschweige denn wie weit die nächste Menschenseele entfernt war. Viel einsamer und schöner kann eine Straße nicht sein. Wegen solcher Momente kam ich nach Alaska.
Nach der schlechten Schotterpiste war ich dann aber doch froh, wieder guten Asphalt zu befahren und Michael und Will zu treffen. Eine Soloreise ist unumstritten eine gute Sache, andere Reisende zu treffen jedoch auch. Will kommt aus San Diego und hat mit seinem BIKEFRIDAY bereits zum 7. mal Alaska bereist. Michael hat gerade sein Maschinenbaustudium in Hannover abgeschlossen…
… mit ihm starte ich am nächsten Tag um 04:00 Uhr in der Früh meine letzte Tagesetappe zum Mt. McKinley. Der Denali Park ist ein wirkliches Sahnehäubchen und ein würdiger Abschluss dieser Tour. Entlang der Denali Road gibt es dann nochmal ‘einige’ Höhenmeter und Pässe zu überwinden. Dafür sind die Ausblicke grandios und entschädigen für jeden Schweißtropfen.
Dann lag er plötzlich vor uns: Der Mt. McKinley
Das Wetter war seit Wochen prima, doch lag enorm viel Rauch von weit entfernten Waldbränden in der Luft. So war der Berg dann oft tagelang nicht zu sehen. Das einzige gute Bild habe ich von unterwegs gemacht. Bis wir den Zeltplatz am Wonder Lake erreichten, dort ist man dem Berg am nächsten, war die Luft bereits wieder voll von Rauch und man konnte den Berg nicht mal mehr erahnen. Glück gehabt, wie immer während dieser fantastischen Tour!
Holger





